Deutschland diskutiert die Einführung von Körperscannern an deutschen Flughäfen – doch Experten warnen vor falschen Sicherheitsvorstellungen
Nach dem missglückten Terroranschlag auf den Northwest-Airlines-Flug von Amsterdam nach Detroit am 25. Dezember 2009, bei dem ein Passagier trotz Sicherheitskontrolle eine geringe aber ausreichende Menge Sprengstoff an Bord schmuggeln konnte, spricht ganz Deutschland nur noch über eins: Brauchen wir nun an jedem Flughafen Körperscanner? Erhöhen diese wirklich unsere Sicherheit?
Es ist 11.40 Uhr Ortszeit im Flieger Northwest-Airlines-Flug 253 Amsterdam nach Detroit. Der Airbus ist nur noch rund 20 Minuten von seinem Zielflughafen Detroit Metropolitan Wayne Country Airport entfernt. Bei den 278 Passagieren und 11 Besatzungsmitgliedern macht sich langsam Aufbruchsstimmung breit. Man hat bereits gegessen, zollfreie Zigaretten und Schnaps gekauft und wartet nun auf die baldige Ankunft. Plötzlich gibt es einen lauten Knall, einen Flammenstoß – und eine ganze Menge Rauch. Verursacht von einem nicht korrekt detonierten Sprengsatz bestehend aus 80 Gramm Sprengstoff, den ein Terrorist unbemerkt in seiner Unterhose an Bord geschmuggelt hatte, um die Maschine im Namen Allahs zu sprengen. Nur aufgrund der fehlerhaften Zündung und einigen mutigen Passagieren, die sich auf den Attentäter warfen und ihm den brennenden Sprengstoff entrissen gab es nur drei Verletzte – und keine 289 Tote.
Wie konnte es geschehen, dass der Sprengstoff unbemerkt an Bord kam? Haben die Holländer am Amsterdamer Flughafen Schiphol etwa nur geschlampt? Oder konnten sie das in der Unterhose versteckte Sprengstoff-Pulver gar nicht mit dem an europäischen Flughäfen üblichen Abtast-Verfahren entdecken?
Doch bisher besteht in der Europäischen Union noch keine andere Methode der Sicherheitskontrolle an Flughäfen als das Abtasten per Hand. Sogenannte Körperscanner, auch Nacktscanner oder Bodyscanner genannt, sind bisher noch nicht zugelassen, da diese Scanner die Privatsphäre der Passagiere durch die klar ersichtliche Abbildung der eigenen Körperumrisse verletzen.
Aufgrund der aktuellen Geschehnisse wird das Thema der eventuellen Einführung der Körperscanner an allen deutschen Flughäfen erneut aufgegriffen.
Die Meinungen der Besucher des Nürnberger Flughafens hierzu sind überwiegend positiv; Natascha R., Pharmazeutische Angestellte aus Nürnberg-Maxfeld meinte hierzu: “Wenn  ich dem Flughafenpersonal eine Peepshow liefern muss damit ich einen sicheren Flug habe – dann tu ich das eben. Mir ist ja selbst wohler in meiner Haut wenn ich weiß, dass auch alle anderen Passagiere da durch mussten.”
Auch der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), kommentiert: “Wenn die Industrie uns eine Technik zur Verfügung stellt, die das Entdecken gefährlicher Substanzen am Körper ermöglicht, ohne die Intimsphäre zu verletzen, können wir darauf nicht verzichten”.
Doch was genau sind Körperscanner? Wie funktionieren sie?
Hierzu gibt es zwei verschiedene Arten von Verfahrensweisen. Zum einen gibt es die passiven Körperscanner, die lediglich die natürliche Terahertz-Strahlung des Körpers, die Teil der menschlichen Wärmestrahlung ist erfassen. Das Endergebnis dieser Art von Scanner ist ein schemenhaftes Bild, welches Gegenstände unter der Kleidung des Menschen als Schatten erkennbar macht.
Bei der aktiven Methode wird der Körper mit den Terahertz-Wellen bestrahlt und aus dieser Rückstrahlung rekonstruiert der Scanner ein dreidimensionales Hologramm des nackten Körpers.
Die zweite Art von Körperscannern, die mit der aktiven Methode arbeitet und in den USA zum Einsatz kommt, lehnt das Bundesamt für Strahlenschutz von vornherein ab. Diese arbeitet mithilfe von Röntgenstrahlung und liefert ein gestochen scharfes Bild des nackten Körper des Passagiers.
Doch nicht nur der gesundheitliche Aspekt heizt die Diskussionen an, eher ist es der Eingriff in die Intimsphäre, den die nicht umsonst “Nacktscanner” genannten Geräte tätigen. “Sicherheit muss sich an der Würde des Menschen orientieren. Menschen nackt zu machen, ist ein empfindlicher Eingriff in die Persönlichkeit”, kommentierte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) die Diskussion über die eventuelle Einführung der Körperscanner an deutschen Flughäfen. “Perfekte Sicherheit wird es nicht geben”, betonte er.
Der Chef der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg sieht das ähnlich. Man solle lieber das Geld der pro Stuck 150.000 € teuren Körperscanner für Personalschulungen an Flughäfen ausgeben, da nicht das aktuelle Sicherheitsverfahren des Abtastens das Problem ist, sondern die Sparmaßnahmen der Flughafenbetreiber und das aufgrund von Dumpinglöhnen demotivierte Flughafensicherheitspersonal. Denn auch der modernste Körperscanner kann nicht ins Körperinnere eines Menschen sehen. Dort versteckte Gegenstände können nur durch Metalldetektoren oder Leibesvisitationen aufgespürt werden.
Auch die 80 Gramm Sprengstoff, die der Terrorattentäter des Flugs 253 in seiner Unterhose versteckt hielt, wären wohl nicht von einem Körperscanner entdeckt worden, so englische Fachleute die an der Entwicklung der Scanner beteiligt waren. Man dürfte Körperscanner auf keinen Fall als Allheilmittel sehen. Nichtsdestotrotz unterstreichen sie, dass die Körperscanner genauer und sicherer sind, als alle in der heutigen Zeit zum Einsatz kommenden Sicherheitsvorkehrungen an europäischen Flughäfen.
Aufgrund dieser Tatsache hat sich die Bundesregierung auf einen Test der Körperscanner Mitte 2010 eingelassen. Bewähren sie sich in der Testphase, so ist der Weg geebnet für den Einsatz auch an deutschen Flughäfen.